Globale Projekte, länderübergreifende Strategien, Videokonferenzen mit Sydney, Hongkong und Stockholm – plötzlich findet man sich in einem international besetzten Team wieder und hat eine gemeinsame Aufgabe zu lösen. Aber was muss man beachten, wenn man in Sachen Arbeit mit anderen Kulturkreisen in Berührung kommt, damit man sich nicht in den Fallstricken der Business-Etikette verheddert? Wir haben uns einfach mal in unserem internationalen Netzwerk umgehört, was denn die wichtigsten Spielregeln sind. Und festgestellt, dass das von Land zu Land sehr variieren kann.

Hier eine kleine Auswahl am Beispiel eines typischen Arbeitstages.

8.30 Uhr – London

Morgens schnell noch einen Coffee to go holen – und der fällt zu dünn und nur lauwarm aus? In London wird das klaglos hingenommen. Man reklamiert nicht, man macht keine Szenen und Kritik jeglicher Art wird eher indirekt adressiert. Die britische Höflichkeit geht sogar so weit, dass man sich bei jemandem entschuldigt, der einem auf den Fuß getreten ist. Ähnlich kompromisslose Wohlerzogenheit erwartet man auch im beruflichen Miteinander.

10.00 Uhr – Tampere, Braunschweig, Oslo, Prag, Bordeaux, Toronto oder Nagoya

Im Büro steht das erste Meeting des Tages an: Es geht um ein neues Projekt; der Kunde ist anwesend. Sind Norweger, Finnen oder Deutsche am Tisch, hält man sich nicht lange mit Smalltalk auf, sondern kommt gleich effizient auf das Thema zu sprechen – üblicherweise anhand einer vorab abgestimmten Agenda. Hat man hingegen Japaner in der Runde und ist es das erste Treffen dieser Konstellation überhaupt, ist die Erwartungshaltung eine andere: Smalltalk, Smalltalk, Smalltalk! Alles andere ist unhöflich. Und es ist absolut o.k., nach dem oder sogar den ersten Meeting(s) auseinanderzugehen, ohne überhaupt über das Geschäftliche geredet zu haben. In Frankreich hingegen werden gern erst einmal alle problematischen Aspekte aufgelistet. Nur damit man darauf hingewiesen hat.

Haben Sie jemanden aus Tschechien in der Runde, interpretieren Sie seine zurückhaltende Mimik nicht falsch. „Do not think we are unhappy because we do not smile much“, haben uns die Kollegen aus der dortigen Agentur mit auf den Weg gegeben. Ganz anders als die aus Kanada: Übermäßig neutrale/vage Gesichtsausdrücke werden leicht als unfreundlich gedeutet: „When in doubt, smile!“

12.00 Uhr – Marseille

Zeit für ein Mittagessen. Sie sind in Frankreich? Dann stellen Sie sich bitte auf einen Ortswechsel ein – zwei, drei Stunden im Restaurant sind nicht unüblich und es wird durchaus die gesamte Zeit über alle Facetten der Kulinarik gesprochen. Falls Sie das Thema ändern möchten und US-Amerikaner mit am Tisch sitzen: Fragen Sie besser nicht nach deren Ansichten zu Donald Trump. Politik ist, genau wie Religion, ein Tabu-Thema im Business-Kontext dieses sonst so locker diskutierenden Landes.

14.00 Uhr – Osaka, Helsinki, Trondheim oder Stuttgart

Zurück im Büro steht das nächste Meeting an. Diesmal überrascht es Sie, dass unter den japanischen Kollegen schon Einigkeit über die Punkte zu herrschen scheint, die doch heute erst auf der Agenda zur Klärung stehen. Das ist als „nemawashi“ bekannt: Man vermeidet offene Differenzen und Überraschungen, indem die wesentlichen Punkte vorab schon einmal informell und direkt mit den Einzelnen besprochen werden. Die Finnen kennen dieses Vorgehen nicht: Lieber in der Runde geradeheraus nein sagen und erklären warum, statt etwas zuzusichern, was man später gar nicht halten kann. Und während die Deutschen am Ende der Besprechung ein sauberes Ergebnisprotokoll erwarten, das alle Vereinbarungen schriftlich festhält, erscheint das den Norwegern überflüssig: Hier ist das gesprochene Wort gültig genug.

15.00 Uhr – Drammen

Ah, die Norweger! Die ersten verlassen nun das Büro, um ihre Kinder aus dem Kindergarten abzuholen. Das sind aber auch dieselben, die abends um 23 Uhr noch eine E-Mail versenden; Arbeits- und Anwesenheitszeiten werden hier ziemlich flexibel gesehen.

19.00 Uhr – Kyōto

Anders ist es – wieder mal – in Japan: Wer abends vor den Kollegen geht, entschuldigt sich für diese Unhöflichkeit. Deren formell-verständnisvolle Antwort darauf: „You must be tired“. Während einem in Deutschland die Kollegen beim Verlassen des Büros höchstens noch ein „Dir dann auch hoffentlich bald einen schönen Feierabend“ zurufen.
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Kurzum, wir mögen in derselben Sprache miteinander kommunizieren, gemeinsame Methodologien nutzen und das beidhändige Überreichen der Visitenkarte beherrschen – es gibt in der internationalen Zusammenarbeit jede Menge Stolpersteine, die man schlichtweg nicht alle kennen und beachten kann. Was hilft? Vermutlich eine Kombination aus Sensibilität und Nachsicht – und die typisch tschechische Eigenschaft, auch mal herzlich über sich selber lachen zu können.


Arbeiten über Ländergrenzen hinweg kann also eine diffizile Angelegenheit sein. Aber durch zahlreiche internationale Projekte und Kunden kennen wir uns auf dem globalen Parkett bereits gut aus. Und kommt im Rahmen einer Anfrage oder eines Projekte ein Land oder eine Region in den Fokus, wo es bisher wenig Berührungspunkte gab, können wir jederzeit auf unsere Partner im BBN-Netzwerk zurückgreifen.

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Geschrieben von

Carola Hecker

Client Service Director, wob AG

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